Mittwoch, 1. Mai 2019

Märchenhaft durch den Mai ~ "Im Bann der zertanzten Schuhe" von Janna Ruth

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Meine Maiaktion "Märchenhaft durch den Mai" startet heute mit einer schönen Märchenadaption, die ich schon vor 2 Jahren entdeckt und verschlungen habe.

"Im Bann der zertanzten Schuhe" ist eine Märchenadaption zu dem Märchen "Die zertanzten Schuhe" der Gebrüder Grimm. Ich mag das Märchen auch heute noch ziemlich gerne, obwohl - oder vielleicht gerade weil - es in seinen Motiven doch von dem üblichen Schema abweicht. Ein einfacher Mann, der ein Rätsel löst, kommt häufig im Märchen vor. Doch unser Soldat erwählt am Ende nicht wie üblich die jüngste Tochter, sondern die Älteste, die ihn zu Beginn auch noch so verächtlich behandelte. 
Bild: Pixabay

Für mich hat das Märchen auch kein richtiges Happy End. Der Soldat löst zwar das Rätsel, aber was ist mit den vewunschenen Prinzen? Deren Fluch, der fast aufgehoben war, wird erneuert.

Bei "Im Bann der zertanzten Schuhe" spinnt die Autorin Janna Ruth märchenhafte Elemente der Brüder Grimm zu einer modernen Fabel über das glitzernde Nachtleben, zerbrochene Träume und verlorene Seelen.

Die Autorin vermischt hier gekonnt die reale Welt mit der fantastischen, die sich im Club DeModie abspielt. Der Handlungsverlauf, die Mischung von Altbekanntem und neuen Elementen, die Integration aktueller Probleme und die Entwicklung der Charaktere haben mir sehr gut gefallen. Das Buch ist wirklich überraschend, fesselnd und birgt so manche Überraschung. Der Schluss war unglaublich spannend und hat meine Vorstellungen und Überlegungen noch übertroffen. Die Geschichte ist unheimlich gefühlsgeladen und steckt voller emotionaler Spannung. Eine Welt voller Schein und Magie, Dunkelheit und Überraschung.

Meine Rezi findet ihr hier.



Ich habe der Autorin Janna Ruth ein paar Fragen zu ihrer Märchenadaption, zu sich selbst und Märchen generell gestellt. Vielen Dank, liebe Janna, dass du dir die Zeit genommen und dich meinen Fragen gestellt hast.

„Im Bann der zertanzten Schuhe" ist Teil der Reihe Märchenspinnerei, wobei jedes Märchen von einer anderen Autorin geschrieben wurde. Wie kam es zu dem Zusammenschluss?

Wir sind alle Teil des Fantasyautorenforums „Tintenzirkel“ und da kam im Jahr 2016 die Diskussion auf, warum sich Selfpublisher so selten zusammenschließen. Tja, irgendwer warf dann Märchen ein und alles brüllte begeistert ja. Das war der Anfang.

Wie kam die Idee zu "Im Bann der zertanzten Schuhe"?

In der Märchenspinnerei versuchen wir alte Märchen mit aktuellen Gesellschaftsthemen zu verbinden. Die zertanzten Schuhe sind eines meiner Lieblingsmärchen und in dem Fall passte es wie die Faust aufs Auge Jonas‘ PTBS darüber darzustellen.

Weshalb hast du dir "Die zertanzten Schuhe" als Originalmärchen für deine Adaption ausgesucht?

Die Antwort ist ein wenig spoilerhaft, wenn man genau liest – also lieber überspringen, wenn ihr nichts in der Richtung lesen wollt. Ich versuche es aber vage zu halten. (MÖGLICHER SPOILER) Das Originalmärchen endet mit der Aussage, dass die verfluchten Prinzen noch einmal so lange verflucht wurden, wie sie mit den Prinzessinnen getanzt haben. Das fand ich immer ein komisches Ende – ich meine, normalerweise enden Märchen doch „gut“. Flüche werden gelöst, nicht verstärkt. Ich habe ziemlich lange darüber gegrübelt, warum das trotzdem ein Happy End ist und aus diesen Überlegungen ist dann die Grundidee für mein Buch und das DeModie entstanden.

Beschreibe dein Buch mit 3 Sätzen.

Euch erwartet ein düster-romantisches Buch mit einem wirklich atemberaubenden Nachtclub. Neben verfluchten Prinzen und Unsichtbarkeitsmänteln liegt der Fokus aber vor allem auf den Charakteren: Jonas, der nach seinem Bundeswehreinsatz an einer posttraumatischen Belastungsstörung leidet, und Sophie, die nach dem Verlust ihrer Mutter, ihre Tanzausbildung an den Nagel gehängt hat und sich stattdessen in einer unaufhörlichen Abwärtsspirale befindet. Die beiden müssen nicht nur lernen, einander zu schätzen, sondern vor allem auch, sich ihren Problemen zu stellen, wenn sie eine Chance haben wollen, dem Fluch zu entkommen.

Der Club "DeModie" spielt in dem Märchen eine wichtige Rolle. Gehst du selbst gerne in Clubs?

Tatsächlich überhaupt nicht. Ich glaube, ich war bisher vier oder fünfmal in einem Club, wenn mich eine meiner Freundinnen mitgeschleift hat. Ich habe stattdessen lieber mit ihnen bei mir zu Hause abgehangen.

Jonas leidet unter einem Kriegstrauma. Wieso hast du in das Märchen die posttraumatische Belastungsstörung einfließen lassen?

Ich finde es sehr wichtig, dass psychische Störungen in Fantasywerken nicht totgeschwiegen werden. Es geht mir dabei um Repräsentation, aber auch um Einfühlsamkeit. Ich selbst habe drei Jahre lang für den Behindertenservice an meiner Uni gearbeitet und seit dem einen Blick auf solche Themen. Zu den zertanzten Schuhen passte die Veteranen-PTBS perfekt, denn auch das Originalmärchen beginnt damit, dass der Soldat verwundet wurde und nicht länger kämpfen kann. Er weiß nichts mit sich anzufangen und nimmt die möglicherweise tödliche Aufgabe allein aus dem Grund an, dass er ja eh nichts mehr zu verlieren hat. Auch wenn die Grimms damals eine körperliche Behinderung gemeint haben und solch einem heimkehrenden Soldaten wirklich kaum Optionen offenstanden, möchte man meinen, dass hier PTBS eine Rolle spielt.

Wie würde Sophie dich mit 5 Adjektiven beschreiben?

*lach* Wahrscheinlich erstmal als langweilig und dann vielleicht als ehrgeizig. Und wenn sie sich doch ein klein wenig darauf einlässt, mich kennenzulernen als engagiert, vielseitig interessiert und talentiert.

Hast du eine Lieblingsstelle oder ein Lieblingszitat im Buch? Verrätst du es uns?

Mein Lieblingszitat ist: In diesem Moment verliebte er sich erneut in jede winzige Kleinigkeit. In ihre funkelnden Augen. In die kleinen Grübchen. In den Schnee in ihren Haaren. Aber am allermeisten in ihr Lachen.
Aber die schönste Stelle ist wahrscheinlich, als Jonas das erste Mal ins DeModie hinabgestiegen ist. Die wird auch immer wieder in Rezensionen hervorgehoben.

Welches ist dein Lieblingsmärchen?

Die Sechs Schwäne – leider ist mir dazu noch keine passende Adaption eingefallen.

Welche Märchenfigur aus der weiten Märchen- und Disney-Welt wärst du selbst gerne mal?

Hmm, eigentlich keine so recht, aber ich fühle mich der Disney-Rapunzel irgendwie verbunden. Ich habe auch so viele Hobbies 😉

Die Protagonistin Sophie ist Tänzerin. Hast du selbst mal getanzt?

Auch das nicht – ich bin schlimm, oder? Aber ich LIEBE Tanzfilme und diese Liebe ist bei den zertanzten Schuhen mit eingeflossen.

Weder das Originalmärchen "Die zertanzten Schuhe" noch "Im Bann der zertanzten Schuhe" haben ein wirkliches Happy End. Bist du eher ein Sad-End-Typ?

Da muss ich dir, glaube ich, widersprechen. Das Originalmärchen hat technisch ein Happy End: Das Problem wird gelöst und der Protagonist bekommt den Preis. Dass die Prinzen weiter verflucht sind, hat womöglich andere Gründe. Und auch mein Buch hat ein Happy End – zumindest würde ich das nicht als Sad-End einstufen, auch wenn nicht alle Probleme gelöst wurden. Tatsächlich mag ich mich gar nicht entscheiden. Ich finde, es muss vor allem ein befriedigendes Ende geben. Etwas, was zum vorhergegangenen Buch passt und ihm einen zufriedenstellenden Abschluss gibt. Wenn dann bin ich aber ein Fan vom Bittersweet-End – Der Plot ist happy, aber die Charaktere kommen nicht ohne Blessuren aus der Sache raus, manche sind vielleicht gestorben, aber ihre Reise ist auf jeden Fall zu Ende.

Was verbindest du persönlich mit Märchen?

Märchen haben mich schon immer begleitet. Ich habe die Hörspiele rauf und runter gehört, die Geschichten der Grimms gelesen und wurde dann von meinem Vater mit Märchen aus aller Welt angesteckt. Meine liebsten Märchen sind übrigens die Japanischen. Heutzutage habe ich das Gefühl, dass Märchen gerne falsch verstanden werden. Zum Beispiel hält sich hartnäckig das Gerücht, dass dort ständig die Frau vom mutigen Prinzen gerettet wird. Mir fallen etwa vier Märchen dieser Art ein und das ist schon großzügig. Ansonsten haben die Grimms verdammt viele starke und mutige Frauen in ihren Geschichten, die deutlich öfter den Prinzen retten. Überhaupt, dafür, dass die Geschichten aus einer solchen Zeit stammen, gibt es erstaunlich viele Protagonistinnen. Die Geschichte vom heldenhaften Prinzen, der auszog, die Prinzessin zu befreien, ist da eher die Ausnahme.

"Im Bann der zertanzten Schuhe" von Janna Ruth

Und darum geht es:

Ein verborgener Hain
Ein verfluchter Prinz
Ein Paar zertanzter Schuhe

Vor drei Jahren ist Jonas aus dem Krieg heimgekehrt und doch scheint es, als wäre er nie zuhause angekommen. Ziellos durch die Straßen schweifend, trifft er einen alten Mann, der ihm von den Wundern des DeModie erzählt, einem verwunschenen Reich im Herzen des Nachtlebens. Unzählige Reichtümer und Schätze erwarten ihn dort, doch, was Jonas wirklich verzaubert, ist die lebensfrohe Tänzerin Sophie, die ihn mit ihrem Lachen ansteckt. Jede Nacht tanzt Sophie mit ihrem Prinzen und jede Nacht zerreißen ihre Schuhe ein klein wenig mehr, und mit ihnen das Geheimnis, welches das DeModie und seine Bewohner umgibt.


Ich hoffe ihr hattet Spaß. Als nächstes reisen wir nach Russland und ich stelle euch am 03. und 04.05.2019 Katherina Ushachov und ihre Märchen "Zarin Saltan" und "Der tote Prinz" vor.

2 Kommentare:

  1. Hallo und guten Tag ,

    Danke liebe Bloggerin für den interessanten Einstieg in diese Blogtour...im Bann der zertanzen Schuhe ....kenne ich nicht

    , aber dafür "Zarin Saltan" und bin deshalb auch gespannt auf einen, weiteren Roman dieser Autorin....der tote Prinz..

    Also dann bis 3.5.2019....LG..Karin..

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  2. Liebe Karin,
    es freut mich, dass dir der Beitrag gefallen hat.
    Das Buch kann ich dir ans Herz legen, wenn du gerne Märchen liest.
    Viel Spaß weiterhin!
    LG Christine

    AntwortenLöschen

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