Mittwoch, 15. September 2021

Rezension zu „Bad Witch. Befreite Magie“ von Tanja Penninger

Rezension zu 
„Bad Witch. Befreite Magie“ 
von Tanja Penninger
Cover: Impress





Buchdetails

ISBN: 978-3-646-60779-6
Sprache: Deutsch
E-Buch Text 302 Seiten
Verlag: Impress
Erscheinungsdatum: 01.07.2021






Inhalt:

**Zwischen Gut und Böse**
Seit zehn Jahren wird die junge Hexe Umbra in Gefangenschaft für die Taten ihrer Mutter bestraft, die einst furchteinflößenden Kreaturen Zutritt in ihre Heimat Panaha ermöglichte. Als Umbra eines Tages nicht in ihrer einsamen Zelle, sondern in einem prächtigen Palastzimmer aufwacht, ist der Schock groß: Vom König befreit, soll sie sich einer Einheit ausgewählter Krieger anschließen, die sich dem Ziel verschrieben haben, die unheilbringenden Risse in ihrer Welt zu verschließen – eine Aufgabe, die einzig eine Magiebegabte zu lösen vermag. Als letzte Hexe Panahas erfährt Umbra jedoch von allen Seiten nur Argwohn. Vor allem dem gut aussehenden Gildenführer Grayson fällt es schwer ihr zu vertrauen. Doch nur gemeinsam haben sie eine Chance gegen das wahre Böse …

Meine Meinung:

Der Schreibstil ist schlicht und einfach, leicht verständlich und schnell zu lesen.

Die Welt, in die wir hier eintauchen ist durch die vielen verschiedenen Wesen und Charaktere sehr vielseitig und konnte mich begeistern.

Die Handlung hat mir ganz gut gefallen, auch wenn mir manches nicht ganz so zugesagt hat. 
Umbras Verhalten nach der 10-jährigen Haft fand ich doch etwas unrealistisch. Sie hat sich viel zu schnell auf die eingelassen, die sie im Kerker haben schmoren lassen. Auch diesen Gegensatz "nur gut" und "nur böse" fand ich etwas zu scharf und zu verallgemeinernd. Umbra scheint ein Naturtalent zu sein, sie schafft die Probleme gleich ohne großen Widerstand aus der Welt. Da haben die Hindernisse gefehlt.

Auch die Liebesgeschichte ging mir am Ende einfach zu schnell. Ich habe das hin und her zwischen Umbra und Grayson unheimlich genossen, aber dennoch haben mir Emotionen, das Knistern gefehlt.

Die Geschichte hat sich dennoch unheimlich gut lesen lassen und ich habe Umbra gerne begleitet, sodass mir das Buch eine schöne Lesezeit beschert hat.

Fazit:

Eine fantasievolle und kurzweilige Geschichte mit einem tollen Setting. 
★★★★☆
4 von 5 Sternen

Montag, 13. September 2021

Rezension zu „Vier Pfoten und ein Landhaus zum Verlieben“ von Sandra Helinski

 ***REZENSIONSEXEMPLAR***
Rezension zu 
„Vier Pfoten und ein Landhaus zum Verlieben“
von Sandra Helinski
Cover: dp


Inhalt:

Dank einer Erbschaft erfüllt sich Annas größter Traum: ein Leben fernab vom Großstadtrummel. Mit viel Leidenschaft beginnt sie, ein altes Haus im Brandenburger Niemandsland zu renovieren und macht das, was sie schon immer machen wollte - mit vielen Hunden arbeiten und leben. Ein Mitbewohner stand allerdings nicht auf ihrem Plan. Und schon gar nicht Eddi Markgraf, Sänger der Rockband Damn Silence. Trotzdem nimmt sie ihn bei sich auf und wie befürchtet gestaltet sich das Zusammenleben alles andere als einfach, denn Eddi kommt mit einem Haufen Probleme im Gepäck. Durch ihre liebenswürdige Art schafft es Anna, nach und nach näher an Eddi heranzukommen - bis die beiden der Anziehungskraft zwischen sich nicht mehr widerstehen können. Als Annas Traum allerdings zu platzen droht, werden die beiden auf eine harte Probe gestellt …


Meine Meinung:

Der Schreibstil ist schlicht und einfach, schnell und flüssig zu lesen.

Die Handlung und deren Verlauf haben mich gut unterhalten. Die Szenen mit den Hunden, Annas Arbeit als Tiertrainerin fand ich sehr interessant. Zwischendurch haben sich ein paar Szenen etwas gezogen.
Sehr gut hat mir auch das Setting gefallen, das Haus, das Anna erbt und dort ihren Traum verwirklicht.

Auch Eddis Hintergrund, seine Probleme und seine Geschichte fand ich interessant. Dadurch kam etwas Tiefgang in die Story.

Mir hat aber das große Knistern gefehlt, die Gefühle kamen nicht ganz bei mir an.

Fazit:

Eine schöne und nette Geschichte, der es ein bisschen an Pep gefehlt hat.
★★★★
4 von 5 Sternen

Samstag, 11. September 2021

Traveling to ... Provence ~ "Lavendelblütenträume" von Julie Clairmont

 
𝕷𝖆𝖛𝖊𝖓𝖉𝖊𝖑𝖇𝖑ü𝖙𝖊𝖓𝖙𝖗ä𝖚𝖒𝖊

Provenzalische Liebe

Schon immer habe ich einen Roman schreiben wollen, der in einer meiner Lieblingslandschaften dieser Welt liegt, aber aus verschiedenen Gründen hat sich das nie ergeben. Und dann war es endlich so weit…

Frankreich & Kanada

Die Geschichte von Lila und Ben musste einfach dort spielen, das war mir von Anfang an klar. Frankreich und Kanada sind sehr unterschiedlich, aber traditionell miteinander verbunden.
Die Franzosen siedelten bereits im sechzehnten Jahrhundert auf der Gaspé-Halbinsel in der heutigen Provinz Quebec, weil – salopp ausgedrückt – ein gewisser Jacques Cartier sich auf dem Weg nach China verfahren hatte. So was passierte damals also nicht nur Christoph Kolumbus.

Später zogen die Franzosen bei Streitigkeiten mit den Briten allerdings den Kürzeren, konnten jedoch irgendwann durchsetzen, dass in ihrem Hauptsiedlungsgebiet Französisch ebenfalls als Amtssprache anerkannt wurde. Doch Sprache verändert sich über die Jahre. Mir ist sogar mal passiert, dass man mich in Frankreich für eine Kanadierin hielt, weil mein Akzent damals wohl ähnlich klang.
Während das Schriftfranzösisch sich kaum unterscheidet, gibt es eine Menge Slang-Worte, die man in Paris nicht verstehen würde (umgekehrt allerdings auch) und der kanadische Akzent ist unüberhörbar. Ich mag ihn sehr, besonders bei Ben.

Saint-Émilie-de-Vauclain

Nachdem also klar war, dass es eine interkulturelle Geschichte werden sollte, musst ich mich noch für den Handlungsort entscheiden. Das Meer und die Fischerei bestimmen traditionell die Provenzalische Küche. Die azurblaue Küste (Côte d’Azur) bietet von prunkvollem Luxus über Scheußlichkeiten (was ja manchmal das gleiche sein kann) bis zu malerischen Küstenabschnitten und Orten alles, was man sich vorstellen kann.

Ich habe lange mit mir gerungen, ob ich meine Geschichte nicht doch lieber an der Küste ansiedeln sollte. Es war eine große Versuchung, besonders, da es mich immer wieder ans Meer zieht und ich einige Jahre an wunderschönen Küsten gelebt habe. Aber schließlich sind es doch Saint-Émilie-de-Vauclain und das Château geworden und ich bin sehr zufrieden damit. Fiktiv übrigens, weil es so viele der »Plus beaux villages«, der schönsten Orte und Dörfer Frankreichs gibt, dass mir die Entscheidung für einen speziellen Ort schwerfiel.

Kulinarisches

Essen und Trinken spielen eine wichtige Rolle in meinem Buch, was kein Wunder ist, denn die Franzosen haben ein besonderes Verhältnis dazu und in der Provence wächst und gedeiht alles, was man braucht, um gut zu kochen.

Fun fact: Die Gewürzmisch und »Kräuter der Provence« benutzt in der Provence kaum jemand, obwohl die Gewürze einzeln natürlich wichtige Bestandteile der dortigen Küche sind.

Sie wurde vermutlich in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts erfunden, heißt es, damit Touristen eine Erinnerung in ihre heimischen Küchen mitnehmen können. Natürlich habe die Provençalen auch schon vorher fertige Mischungen zusammengestellt, die variierten aber von Ort zu Ort und auch von Familie zu Familie. Was man in Deutschland in Supermärkten findet, stammt meistens nicht aus Südfrankreich.

Es ist eine bedauerliche Tatsache, dass Lila, die Heldin in »Lavendelblütenträume« nicht kochen kann. Weil aber, wer nach Frankreich reist, auch über das Essen sprechen muss, war es ein glücklicher Zufall, dass Ben nicht nur ein erfolgreicher Architekt ist, sondern auch am Herd eine gute Figur macht. Bei mediterranen Gerichten braucht er allerdings noch ein bisschen Nachhilfe und deshalb habe ich ihm drei leckere Rezepte ins Buch geschrieben:

Tapenade Ein Brotaufstrich zum Aperitif, oder wie manche sagen: »Ein kleines Stück Provence auf der Zunge.«

Zitronenhuhn »Charlotte«– Poulet provençal aux citrons. Zitronen sind in der provenzalischen Küche nahezu allgegenwärtig.

Maries schnelle Tarte Tatin (mit Äpfeln oder Birnen)

Weitere Rezept-Ideen gibt es auf meiner Website.
 
Lavendel
 
Auf keinen Fall darf hier das Wahrzeichen der Provence und Namensgeber meines Romans »Lavendelblütenträume« fehlen: Der Lavendel.
 
Zikaden gehören zur Geräuschkulisse der Provence und gelten in Südfrankreich eigentlich als Glücksbringer. Die Glasflügelzikade ist jedoch alles andere als beliebt, denn das winzige Tier überträgt ein Bakterium, das dem auf riesigen Feldern angebauten Lavendel oder Lavandin (eine ertragreiche natürliche Kreuzung aus Speiklavendel und Echtem Lavendel) und damit einer ganzen Industrie gefährlich geworden ist. Besonders junge Lavendelpflanzen werden gelb, bilden keine Blüten und gehen ein. Die Krankheit ist nicht neu, aber durch die Hitzewellen der vergangenen Jahre wurde etwa die Hälfte der Anbaufläche von der Zikade zerstört. Damit hat Frankreich Platz eins in der weltweiten Produktion von Lavendelöl verloren.

Weniger betroffen ist der wilde Lavendel, der für Medizin und für die Parfumindustrie geerntet wird. Die feinen Essenzen aus diesem echten Lavendel tragen ein Herkunftssiegel und sind deutlich teurer als der Lavendel aus den niedrigeren Regionen. Was nicht verwundert, wenn man weiß, dass die Blüten in der Mittagshitze und von Hand geerntet werden müssen.

Wenn du jetzt neugierig auf »Lavendelblütenträume« geworden bist, dann empfehle ich den Besuch meiner Website. Dort gibt es eine Leseprobe, Rezepte zum Buch und weitere Geschichten aus meiner Feder, die ich unter anderen Namen geschrieben habe.

Donnerstag, 9. September 2021

Rezension zu „Die Lady mit dem ungezähmten Herzen“ von Sasha Cottman

 ***REZENSIONSEXEMPLAR***
Rezension zu 
„Die Lady mit dem ungezähmten Herzen“ 
von Sasha Cottman




Buchdetails

ISBN: 979-8456386939
Sprache: Deutsch
Taschenbuch 330 Seiten
Verlag: Selfpublishing
Erscheinungsdatum: 04.09.2021

Teil 5 der Reihe "Der Herzog von Strathmore"





Inhalt:

Als zweiter Sohn eines Viscount weiß Freddie Rosemount eine Sache ganz sicher: Egal, was er in seinem Leben erreicht, er wird nicht der erste aus der Familie sein, der dies geschafft hat.
Mit gutem Aussehen, Wohlstand und dem Stadthaus seines Vaters zu seiner eigenen Verfügung beschließt Freddie, dass es Zeit ist, sich in der feinen Gesellschaft Londons einen Namen zu machen.
Gefangen im Wirbel eleganter Feste und politischer Intrigen gerät Freddie schon bald in den Bann der falschen Leute. Das Bachelor Board ist ein Club für junge Männer, die der Londoner Gesellschaft ihren Stempel aufdrücken möchten. Um aufgenommen zu werden, muss der Bewerber eine Reihe geheimer Herausforderungen bewältigen, von denen jede skandalöser ist als die andere.
Eve Saunders ist eine gut erzogene Tochter des Hauses Strathmore, aber unter ihrer englischen Haut schlägt ein leidenschaftliches französisches Herz. Der Spaß an Gefahr liegt ihrer Familie im Blut.
Während Eve Freddie hilft, seine Position im Bachelor Board zu sichern, entzünden sich Leidenschaft und Liebe zwischen ihnen.
Aber die letzte geheime Herausforderung für Freddie ist jedoch mit einem schockierenden Preis verbunden.
Als sein wütender Vater ihm den Geldhahn zudreht, geht es mit Freddies Leben schnell steil bergab. Bald erkennt er die schreckliche Wahrheit dessen, was er dem Mädchen angetan hat, das er liebt.
Entschlossen, alles zu tun, um Eve zurückzugewinnen, muss Freddie bestürzt feststellen, dass Eve nicht willens ist, zu Hause zu sitzen und das Ende ihrer Liebesgeschichte zu betrauern.
Als Eve anfängt, ihre eigene Serie von sexy und gefährlichen Spielen zu erfinden, bleibt Freddie keine andere Wahl, als sie in ihrem eigenen Spiel zu besiegen.
Erst bei der allerletzten Herausforderung sieht Freddie, was er riskiert und dass Eve spielt, um zu gewinnen.

Meine Meinung:

Dies ist der 5. Teil der Reihe "Der Herzog von Strathmore", der die Geschichte von Eve und Freddie erzählt. Die einzelnen Teile sind unabhängig voneinander lesbar und verständlich.

Ich liebe diese Reihe und ich freue mich immer wieder, auch über die Paare aus den vorangegangenen Büchern zu lesen.

Der Schreibstil ist angenehm, der Zeit angepasst, aber auch nicht zu verstaubt, sondern genau passend, locker und leicht, schnell und flüssig zu lesen. 

Die Handlung und deren Verlauf haben mir sehr gut gefallen, nachdem der 4. Teil nicht ganz mithalten konnte, hat die Autorin hier wieder eine Geschichte geschrieben, die mich vollkommen mitreißend konnte.  
Die Geschichte beginnt so leicht und frisch, leidenschaftlich und knisternd, doch dann plötzlich die Wende. Die Geschichte von Eve und Freddie wird schmerzhaft, die Spannung bleibt dennoch auf einem hohen Level. Denn was hinter diesem geheimen Club lauert hat mich unheimlich neugierig gemacht - neben der Frage, ob es für die beiden doch noch ein Happy Ende gibt.
Freddie hat mich wirklich zur Weißglut getrieben, ab und zu hätte ich ihm gerne mal einen Klaps auf den Hinterkopf gegeben, um ihn in die richtige Bahn zu lenken. Ob er den Dreh selbst rausbekommt und die richtige Richtung einschlägt, müsst ihr selbst herausfinden.

Das Buch hat mich sehr gut unterhalten und mir eine angenehme und fesselnde Lesezeit beschert. 

Fazit:

Ein sehr schöner historischer Liebesroman, der mich überzeugen konnte. 
★★★★★
5 von 5 Sternen

Sonntag, 5. September 2021

It's Teatime mit Llilian aus "Der Duft des Mondes" von Amélie Duval

 
An diesem schönen Spätsommertag treffe ich Llilian, die Protagonistin aus "Der Duft des Mondes" von Amélie Duval.

UzB: "Hallo Llilian, schön, dass du da bist. Stell dich doch den Lesern bitte kurz vor."

Llilian: "Hi! Also, ich bin Llilian, 23 Jahre jung und stolze Besitzerin der Hafenschenke „Zum Krähennest“ in Tönngracht. Mein leiblicher Vater ist angeblich so etwas wie ein Gott, aber ich kenne ihn nicht - und das ist auch gut so. Er hat meine Mutter noch in der Nacht meiner Zeugung sitzengelassen. Welch anständiger Mann tut so etwas? Jedenfalls liebe ich meine Arbeit … Hey, Anton! Mach nochmal zwei Portionen Wildschweingulasch fertig! … Also, wo war ich? Ach ja, meine Arbeit. Ich lerne dabei so viele unterschiedliche Menschen kennen, höre wilde Geschichten und erfahre so einiges über die menschliche Natur. Mal ehrlich, was gibt es Schöneres, als wenn die Welt zu einem kommt? Außer natürlich jemand weiß nicht, sich zu benehmen. Dann werfe ich ihn hochkant raus! Ansonsten gibt es nicht viel über mich zu erzählen, außer dass ich diese seltsamen Augen habe, die nach Lust und Laune die Farbe wechseln. Ein echtes Ärgernis! Damit die Leute mich nicht für sonderbar halten,  trage ich eine getönte Brille."

UzB: "Wow, das waren jetzt ganz schön viele Informationen auf einmal 😅 Lass uns vorne beginnen. 23 und schon eine eigene Schenke?"

Llilian: "Wieso wundert dich das? Ich habe schon im Alter von elf Jahren in der Mühle meiner Mutter gearbeitet. Als sie vor drei Jahren starb, möge Yantu ihrer Seele gnädig sein, verkaufte ich die Mühle und kam nach Tönngracht, um ganz neu anzufangen. Meine Mutter und ich haben allein gelebt, dort hielt mich also nichts mehr. Mit dem Erlös habe ich mir die Schenke gekauft. Es war Liebe auf den ersten Blick. Ich habe dieses gedrungene Fachwerkhaus am Ende der Gasse gesehen und gewusst: Das ist es! Dort liegt mein Glück begraben."

UzB: "Nun ja, bei uns sind viele in so jungen Jahren noch nicht so reif. Das tut mir leid mit deiner Mutter. Aber du scheinst ja richtig in deiner Arbeit aufzugehen. Was gibt es über Tönngracht interessantes zu erzählen?"

Llilian: "Tönngracht ist eine Hafenstadt, die als Tor zum Nordmeer gilt und von Kanälen durchzogen ist. Die Sonne scheint hier nur selten, aber das stört mich nicht. Ich lebe gern in Tönngracht, auch wenn hier und da Gefahren lauern. Ich sage da nur der Schwarze Bootsmann oder die Gesichtslosen! Allein bei dem Gedanken läuft es mir eiskalt den Rücken runter. Tönngracht besteht wie andere Städte auch aus zahlreichen Vierteln unterschiedlicher Ausprägung, je nach Glaubenslehre, Abstammung und Berufsstand der Bevölkerung. Grob betrachtet lässt es sich in zwei Stadtteile gliedern. Die Mehrheit der Einwohner – Händler, Arbeiter und Handwerker – lebt in den ärmeren Vierteln, die wie ein breiter Befestigungsring den winzigen feudalen Kern umschließt. Auf der Weißen Insel in der Mitte residieren die Adeligen, der Magistrat und Bürger von Stand. Vier gewölbte Steinbrücken über dem Hauptkanal, die von einem Ufer zum anderen hundertzwanzig Schritte messen, verbinden die beiden gegensätzlichen Welten miteinander. Eine Brücke für jede Himmelsrichtung. Ansonsten würde ich sagen: Komme einfach vorbei und sieh es dir an! Und vergiss dabei nicht, in meiner Schenke vorbeizuschauen. Bei mir gibt’s garantiert saubere Krüge, frisches Bier und Schmackhaftes nicht nur für den Bauch, sondern auch für die Seele. Und für ein nettes Schwätzchen ist auch immer Zeit, wie du siehst."

UzB: "Ich kann es mir bildlich vorstellen. Aber was meinst du mit dem Schwarzen Bootsmann und den Gesichtslosen?"

Llilian: "Ich kann nicht darüber sprechen. Das Thema geht  mir einfach zu nah. Tut mir leid."

UzB: "Na komm, Llilian, erzähl! Wir sind doch unter uns."

Llilian: "Also gut … Vom Schwarzen Bootsmann heißt es, dass immer wenn er auf seiner Barke erscheint, er Krankheiten und Seuchen über die Menschen bringt. Lange Zeit hielt ich diese Geschichte für Seemannsgarn wie Meerjungfrauen oder Riesenkraken, die Schiffe verschlingen. Bis er eines Nachts leibhaftig vor mir stand. Der Schwarze Bootsmann ist die nette Umschreibung für Medaan’reth, der Seelenlose, wie er sich selbst nennt. Eine bösartige, von Schatten umgebene Kreatur, die von Hass zerfressen ist. Er brachte mir Verderben, Qualen und – man glaubt es kaum – auch Liebe. Mehr möchte und kann ich dazu nicht sagen. Es ist einfach zu schmerzhaft."

UzB: "Das klingt ... verwirrend und gefährlich. Nun gut. Und was hat es mit den Gesichtslosen auf sich? Gehören sie zu ihm?"

Llilian: "Nein. Er ist ein Einzelgänger und verabscheut die Gesichtslosen wie alles andere auch. Die Gesichtslosen sind Richter und Henker zugleich. Sie patrouillieren durch die Stadt und bestrafen jeden, der verbotene Magie betreibt. Und zwar direkt an Ort und Stelle. Ihre bevorzugte Waffe ist eine Axt. Sieh bloß zu, dass du keinem begegnest!"

UzB: "Das hört sich nach einem gefährlichen Leben in Tönngracht an."

Llilian: "Welche Stadt ist es nicht? Man muss nur ein wenig aufpassen, die Augen offen halten und nachts die Kanäle meiden. Ich liebe Tönngracht und könnte mir gar nicht vorstellen, woanders zu leben."

UzB: "Lass uns über deinen Vater sprechen. Du weißt gar nichts über ihn?"

Llilian: "Ich weiß nur, dass er zu den Vasi gehört. Wesen, die von vielen in Tönngracht als Götter verehrt werden. Ich persönlich halte ihn für einen Lump! Er hat meine Mutter noch in der Nacht meiner Zeugung sitzen gelassen. Sie wusste nicht einmal, wie er ausgesehen hat. Entweder hat er ihr Gedächtnis gelöscht oder sie gegen ihren Willen gefügig gemacht. So oder so kann er mir gestohlen bleiben!"

UzB: "Deine Einstellung kann ich voll und ganz nachvollziehen. Magst du uns etwas über deine Freunde erzählen?"

Llilian: "Aber gern. Da wäre meine beste und auch einzige Freundin, Alanis. Sie ist eine Seele von Mensch, aber jünger als ich und auch ein wenig naiv. Deshalb passe ich auf sie auf, als wäre sie meine kleine Schwester. Und dann ist da noch Meister Leonid, der im Hafenkontor arbeitet. Er hat mich unter seine Fittiche genommen, als ich nach Tönngracht kam und zugegebenermaßen noch ziemlich grün hinter den Ohren war. Ihm verdanke ich, dass ich es so weit gebracht habe. Und er hat mir Lesen und Schreiben beigebracht. Einen wichtigen Platz in meinem Leben nimmt natürlich Anton ein, mein Koch. Zwar gibt er sich gern grimmig, aber im Grunde genommen hat er ein gutes Herz, und er weiß, wo man die besten Pilze weit und breit findet. Ohne ihn wäre das Krähennest nicht das, was es ist."

UzB: "Eine letzte Frage habe ich noch an dich: Was ist mit Meduda?"

Llilian: "Bei Yantus Stab, woher weißt du von Medusa? Hach, ich vermisse das alte Mädchen! Ich kann nur sagen, dass sie die sanftesten Augen hat, die du dir vorstellen kannst, und dass sie mir in buchstäblich letzter Sekunde das Leben gerettet hat … Nun muss ich aber weitermachen. Heute Morgen hat ein Kriegsschiff aus Xelabrien im Hafen angelegt. Das bedeutet, dass jeden Moment ein Trupp aufgekratzter Marinesoldaten durch die Tür poltern könnte. Ich muss Anton in der Kochstube aushelfen. Es hat mich gefreut, dich kennenzulernen. Wenn du magst, verweile doch noch ein wenig. Heute gibt es Kaninchenragout mit Kartoffeln. Sehr zu empfehlen!"

UzB: "Vielen Dank."

Rezension zu „3 Arten Schuld“ von Juliane Schmelzer

 ***REZENSIONSEXEMPLAR***
Rezension zu 
„3 Arten Schuld“
von Juliane Schmelzer





Buchdetails

ISBN: 9783740782528
Sprache: Deutsch
Flexibler Einband 412 Seiten
Verlag: TWENTYSIX
Erscheinungsdatum: 06.05.2021






Inhalt:

Dean ist 35, Musiker und das, was man eine verkappte Persönlichkeit nennen würde. Er kehrt nach vielen Jahren zurück nach Berlin, um eine alte Familienschuld zu begleichen, wird jedoch nicht mit offenen Armen empfangen.

Isabell ist 29, Buchhändlerin und verheiratet mit dem ehrgeizigen Anwalt Ben (30), der alles tun würde, um seine Karriere anzukurbeln und seinem Vater zu gefallen. Sie haben alles, nur nicht das, was sie sich am meisten wünschen: ein Kind.

Als Dean und Isabell sich über den Weg laufen, ist plötzlich nichts mehr so, wie es mal war. Geheimnisse kommen ans Licht und verursachen Chaos im Leben der Familie. Denn Dean ist nicht nur so ganz anders als Ben, sondern auch dessen verschollener Bruder. Und Isabell wird zur ersten Frau, die Deans Herz zu öffnen vermag.

In dieser Geschichte gibt es kein Gut und kein Böse, kein Schwarz oder Weiß. Sich für eine Seite zu entscheiden ist unmöglich, da es auf allen Seiten menschelt und jeder Fehler machen wird. Alle Personen sind auf ihre Art schuldig und doch geschieht das, was sie tun oder auch nicht tun, nur aus einem einzigen Grund - aus Liebe.

Meine Meinung:

Der Schreibstil ist schlicht und einfach, leicht verständlich, schnell und flüssig zu lesen. 

Die Handlung und deren Verlauf haben mir gut gefallen, allerdings haben sich einige Passagen etwas in die Länge gezogen, dort hat mir der Pep etwas gefehlt. Es geht viel um Gefühle und Emotionen, was die Handlung manchmal etwas auf der Stelle hat treten lassen.
Alles in Allem aber eine schöne Geschichte über Schuld und Sühne, Liebe und Familie, Geheimnisse und Lügen, über Erlebnisse und Entscheidungen der Vergangenheit, die sich auf die Gegenwart auswirken. Das Ende des Buches ist wirklich fies und macht sehr neugierig auf den weiteren Verlauf. 

Auch wenn es im Klapptext heiß, man kann sich nicht für eine Seite entscheiden - ich habe meine Seite fast direkt gewählt. Eine der Personen war mir fast von Beginn an absolut unsympathisch, das weitere Verhalten hat mich in meiner anfänglichen Meinung immer weiter bestärkt. Sie hat Dinge getan, die einfach gar nicht gehen und ich hoffe wirklich, dass Isabell am Ende die Wahrheit erfährt. Und ich konnte wirklich nicht verstehen, dass Isabell ... - leider kann ich nicht mehr verraten. Das Ende hat mich fassungslos und unheimlich neugierig zurückgelassen.

Alle Figuren der Geschichte haben einiges zu verarbeiten. In der Vergangenheit ist einiges falsch gelaufen, es wurden Dinge unter den Teppich gekehrt, nicht darüber gesprochen, die aber jeden Einzelnen enorm beeinflusst haben. Und auch Isabell leidet unter dem Familiengeheimnis von Ben. 

Das Buch hat mich gut unterhalten und mir eine schöne und gefühlsgeladene Lesezeit beschert.

Fazit:

Eine emotionale Geschichte
★★★★☆
4 von 5 Sternen

Samstag, 4. September 2021

Rezension zu „Die Nacht der Acht“ von Philip Le Roy

Rezension zu 
„Die Nacht der Acht“ von
Philip Le Roy
Cover: Carlsen




Buchdetails

ISBN: 9783551584335
Sprache: Deutsch
Flexibler Einband 288 Seiten
Verlag: Carlsen
Erscheinungsdatum: 29.04.2021







Inhalt:

Acht Jugendliche, ein Haus und eine Nacht, die zum Horrortrip wird!

Es ist Samstagabend und Quentin lädt zum Trinken und Feiern in die schicke Villa seiner Eltern ein. Abgeschieden in den Bergen gelegen, ist sie der perfekte Ort des heutigen Mottos: Wer sich erschreckt, muss trinken!
Doch aus Spaß wird schnell bitterer Ernst. Die ersten blutigen Finger bringen die Gruppe noch zum Lachen, es wird ordentlich getrickst. Als der Geist einer tot geglaubten Mitschülerin auftaucht und die Telefonleitung plötzlich gekappt ist, läuft der Abend aus dem Ruder. Die Acht sind auf sich allein gestellt. Und alle stellen sich dieselbe Frage: Wer steckt hinter den mysteriösen Vorfällen? Die Nacht will kein Ende nehmen ...
Als dann auch noch einer nach dem anderen verschwindet, scheint keiner mehr dem Horror zu entkommen.

Meine Meinung:

Dies ist das erste Buch des Autors, das ich gelesen habe. Ich bin immer etwas vorsichtig bei französischen Autoren, da sie mich bisher immer enttäuscht haben. „Die Nacht der Acht“ ist der erste Jugendthriller von  Philip Le Roy.

Der Schreibstil ist leicht verständlich und passt zur Zielgruppe. Durch die vielen Dialoge ist das Buch einfach und schnell zu lesen.

Die Idee hat mir gut gefallen. 8 Jugendliche nachts in einem Haus und der Horror kann beginnen. Allerdings hat mir die Umsetzung und das unspektakuläre Ende, das sehr schnell zu erahnen war und wenig Überraschung bereithielt, nicht wirklich zu gesagt. 

Zwischendurch war es wirklich gruselig, die Atmosphäre geheimnisumwoben und düster. Manche Ideen und Gruselstreiche waren echt toll und haben für Gänsehautfeeling gesorgt. Für junge Leser hat der Autor hier sicherlich eine tolle Stimmung kreiert.
Aber die Handlung drumherum hat irgendwie gefehlt, es hat sich eher nur nach einer Aufzählng und Aneinanderreihung von verschiedenen Horrosstreichen angefühlt, bei der aber eine richtige Handlung gefehlt hat.
Was mir die Geschichte aber vollends verdorben hat, waren die Jugendlichen. Mir war kein einziger auch nur in irgendweiner Weise sympahisch. Jeder erfüllte ein Klischee und lebte es so richtig aus.

Mich konnte das Buch leider niht packen, auch wenn gute Ansätze vorhanden waren. 

Fazit:

Tolle Idee, aber die Umsetzung ist schwach und die Charaktere schauderhaft.
★★☆☆
2 von 5 Sternen