Sonntag, 9. August 2026

𝓡𝓮𝔃𝓮𝓷𝓼𝓲𝓸𝓷 zu "𝓢𝓬𝓱𝓪𝓽𝓽𝓮𝓷 ü𝓫𝓮𝓻 𝓭𝓮𝓷 𝓗𝓲𝓰𝓱𝓵𝓪𝓷𝓭𝓼" von 𝓒𝓸𝓷𝓼𝓽𝓪𝓷𝔃𝓮 𝓦𝓲𝓵𝓴𝓮𝓷

Cover: Schatten über den Highlands von
Constanze Wilken, Verlag: Goldmann
[Rezensionsexemplar]

𝕀𝕟𝕙𝕒𝕝𝕥

Eine idyllische Grafschaft in den Highlands. Ein verhängnisvolles Geheimnis. Eine grenzenlose Liebe.

Die junge Lizzie Farland hat sich fernab der Highlands ein neues Leben in Glasgow aufgebaut . Doch als sie einen alarmierenden Brief ihres Vaters, des Pferdezüchters Donnie, erhält, macht sie sich sofort auf den Weg zurück in ihre alte Heimat, die idyllische Grafschaft Perthshire. Der schwerkranke Donnie hat einen letzten Wunsch an seine Tochter: Er möchte sie vor seinem Tod mit Ronain verheiraten, dem Sohn seines besten Freundes. Als junges Mädchen war Lizzie in den sympathischen, gut aussehenden Ronain verliebt – dann musste er für drei Jahre ins Gefängnis, und Lizzie hat ihm nie verziehen. Sie ahnt nichts von dem gut gehüteten Geheimnis hinter Ronains damaliger Verurteilung ...

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„Schatten über den Highlands“ bietet eine faszinierende Mischung aus rauer schottischer Kulisse, tiefgreifenden Familiengeheimnissen, der gemütlichen Atmosphäre eines Buchladens und dem oftmals missverstandenen Leben der Traveller. 

Der angenehme und flüssige Schreibstil hat es mir von Beginn an leicht gemacht, in die Geschichte abzutauchen. Dank der detaillierten und sehr bildhaften Beschreibungen entstanden während des Lesens sofort deutliche Bilder vor meinem inneren Auge.

In der Gegenwart wird die Handlung abwechselnd aus den Perspektiven von Lizzy und Ronain erzählt. Dadurch erlebt man beide Seiten der Geschichte hautnah und intensiv mit. Dabei lernt man die Gemeinschaft der Traveller sehr gut kennen, die auch heute noch mit massiven Vorurteilen zu kämpfen hat und oft völlig ungerechtfertigt als notorische Diebe und Lügner abgestempelt wird. Gleichzeitig wird ihr wunderbares und intuitives Talent im Umgang mit Pferden und die alte Tradition der sogenannten „Horsemen“ wunderschön hervorgehoben. Besonders Ronain verkörpert diese Gabe; er wäre liebend gern Tierarzt geworden, was ihm jedoch durch verschiedene widrige Umstände leider verwehrt blieb.

Um die komplexen Verstrickungen der Gegenwart zu verstehen, arbeitet das Buch mit zwei eingewobenen Rückblenden. Ein Erzählstrang beleuchtet Donnies Geschichte. Man erfährt eindrücklich, wie es zu seiner tiefen Verbitterung kam und was der eigentliche Grund dafür ist, dass die Traveller in der Gegend mittlerweile so ungern gesehen sind. Der zweite Strang führt uns in die gemeinsame Vergangenheit von Lizzy und Ronain – in die Zeit, bevor die Situation völlig aus dem Ruder lief und die Tragödie ihren Lauf nahm, die ihn letztendlich ins Gefängnis brachte und sie nach Glasgow fliehen ließ.

Die Charaktere sind durchweg wunderbar und authentisch gezeichnet. Besonders Lizzys tiefen inneren Konflikt konnte ich extrem gut nachempfinden. Einerseits ziehen sie ihre Wurzeln, die tiefe Liebe zu den Pferden und ihre Familie immer wieder zurück in die Gemeinschaft. Vor allem ihre jüngeren Schwestern Clara und Annie, die noch dort leben, sowie ihre Nichten und Neffen bedeuten ihr viel. Doch das Wiedersehen ist schwierig: Besonders Clara macht es Lizzy nicht leicht, da sie sich noch immer im Stich gelassen fühlt, weil nach Lizzys Weggang plötzlich die gesamte Verantwortung auf ihren Schultern lastete. Andererseits liebt Lizzy ihr neues, friedliches Leben in Glasgow und ihre Arbeit in dem kleinen Buchladen. Dessen Besitzer, der ältere Mr. Murphy, gab ihr damals bei ihrer Ankunft trotz mangelnder Erfahrung nicht nur einen Job, sondern ein echtes Zuhause. Er ist für Lizzy längst weitaus mehr zu einer Vaterfigur geworden, als es Donnie Farland je hätte sein können.

Insgesamt ist die Geschichte wunderbar erfrischend und bietet thematisch mal etwas ganz anderes. Ich bin förmlich in das Leben der Traveller eingetaucht, habe beim Lesen ihre Musik im Ohr gehabt und mich gefühlt, als stünde ich selbst mitten auf dem Pferdemarkt in Appleby. Dass ich dem Buch letztendlich vier von fünf Sternen gebe, liegt lediglich an ein paar kleineren Längen, die sich zwischendurch in die ansonsten sehr fesselnde Handlung eingeschlichen haben. Abgesehen davon ist es ein absolut lesenswerter und emotionaler Roman.

𝔽𝕒𝕫𝕚𝕥

„Schatten über den Highlands“ ist ein atmosphärisch dichter und emotionaler Roman, der durch sein unverbrauchtes Setting innerhalb der schottischen Traveller-Gemeinschaft absolut überzeugen kann. Für alle Leserinnen und Leser, die tiefgründige Familiengeheimnisse, eine raue Kulisse und lebendige Figuren lieben, ist dieses Buch eine wunderbar erfrischende Lektüre, die sich ihre vier Sterne redlich verdient hat.
★★★★
4 von 5 Sternen

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